Endlich war es soweit : Nach einem Jahr Renovierung sollte der Mittagstreff im „Blue Planet“ wieder eröffnet werden. Der imaginäre rote Teppich war ausgerollt, die Kapelle in Form eines CD-Spielers machte Musik und ich war überhaupt nicht hippelig, unruhig, nervös oder aufgeregt. Ich doch nicht! Nie! Wird es den Sponsoren gefallen? Werden sie ihr Geld – insgesamt ca. 2500 Euro (Schluck!) – für gut angelegt halten? Was hält der Bürgermeister davon, wie die Räume des alten Jugendzentrums, das sich nun im Dorfkern befindet, nun genutzt werden? Wird der Schulleiter, den ich ein Jahr lang mit irgendwelchen Fragen zur Renovierung genervt habe, mit dem Ergebnis zufrieden sein?
Ich denke zurück : Vor 28 Jahren stand ich als frischgebackene Lehrerin zum ersten Mal in diesen Räumen. Die Orga hatte mich als Aufsicht in der MFZ eingesetzt und die meisten Kollegen hatten mir schon ihr Beileid ausgesprochen – viiiel zu laut! Sie hatten Recht : Es war laut, die Boxen in den hinteren Räumen hämmerten und mit dem Sozialarbeiter der AWO konnte ich mich nur im Büro ruhig unterhalten. Michael bot mir erst einmal einen Kaffee an und erklärte mir, dass die AWO der Schule diese Räumlichkeiten zur Nutzung in der MFZ anbot – unter der Voraussetzung, dass eine Lehrkraft zur Aufsicht anwesend sei. Ich weiß nicht warum, doch ich fühlte mich wohl. Mir gefiel der Job und daran hat sich in den letzten 28 Jahren nichts geändert. Im Gegenteil : Der Mittagstreff wurde quasi „mein Baby“. Und vielen Schülerinnen und Schülern gefiel es dort so gut wie mir. Als die AWO das „Blue Planet“ zumachte und in den Dorfkern zog, stimmte der Schulleiter und die Gemeinde darin überein, dass die Räume immer noch als Mittagstreffpunkt genutzt werden sollten und dass eine Renovierung erfolgen müsste. Natürlich nahm die AWO die Ausstattung mit und das war ein Problem. Schließlich wachsen Billardtische und Fußballkicker nicht auf den Bäumen. Ich erzählte meinem ehemaligem Schüler Danny Kron davon, dass das „Blue Planet“ geschlossen wäre und seine erste Reaktion war : „Echt jetzt?! Das war doch immer so schön da drin!“ Gedankensekunde … „Unser Betrieb spendet jedes Jahr Geld für ein wohltätige Organisation. Also können wir das dieses Jahr doch für das „Blue Planet“ machen. Wir besprechen das ganze mal innerbetrieblich. Und weißt du was : Wir haben einen Auftraggeber, der auch ein ehemaliger Schüler ist – Patrick Wernscheid; den werde ich auch fragen. Ach, du brauchst kein Geld, sondern Ausstattung. Kein Problem! Lass´ uns mal machen!“ Und sie machten! Und wie! Diese beiden ehemaligen Schüler kauften auf meine Bitte hin Billardtisch, Fußballkicker, Mikrowelle, CD-Spieler, Schrank, Gesellschaftsspiele, Tischtennisschläger und -bälle, Tische und Stühle. Und Danny sorgte auch noch dafür, dass alles aufgebaut wurde. Ich fühlte mich wie ein Kind an Weihnachten am Gabentisch … Gute Jungs! Irgendetwas müssen wir als Schule doch richtig machen, wenn solche Menschen dabei herauskommen …
Okay … Sie kommen herein … Bauch rein, Brust raus!
Danny Kron von der Fritz Krieger GmbH mit seinem Geschäftspartner und seiner Angestellten
Patrick Wernscheid von der D.I.S. Hausverwaltung GmbH mit seinen Mitarbeiterinnen
Bürgermeister Sebastian Heimes – auch ein ehemaliger Schüler
Schulleiter Christoph Straube
Sie gehen herum. Sie schauen sich alles an. Sie lächeln. Es gefällt ihnen.
Geschafft!
Von Marion Ruhwedel