Für Lea Cassel, die nach den Sommerferien die aktuelle Q1 der Gesamtschule Marienheide besuchen wird, waren die vergangenen Wochen eine ganz besondere Erfahrung: Im Rahmen des Chile-Austauschprogramms unserer Schule verbrachte sie die Sommerferien in Concepción Chile.
Vom 9. Juli bis zum 21. August 2026 lebte sie dort bei ihrer Gastfamilie, besuchte die chilenische Lebenswelt aus nächster Nähe und sammelte Eindrücke, die weit über das hinausgehen, was man als Tourist erleben kann. Bereits die Ankunft machte deutlich, worum es bei einem Schüleraustausch im Kern geht: nicht nur ein anderes Land kennenzulernen, sondern für eine gewisse Zeit Teil einer anderen Familie und einer anderen Kultur zu werden.
Lea wurde am Abend des 10. Juli von ihrer Gastfamilie herzlich empfangen. Schon bald zeigte sich, wie wohl sie sich dort fühlte. Ihre Gastfamilie nahm sie, wie sie selbst berichtete, „wie eine eigene Tochter“ auf und kümmerte sich rührend um sie. Diese Herzlichkeit wurde für Lea zu einem wichtigen Teil ihres Aufenthalts.
In den ersten Wochen konnte Lea zahlreiche Facetten des Landes kennenlernen. Besonders beeindruckt war sie von den unterschiedlichen Landschaften Chiles, die sie teilweise als „wie aus dem Bilderbuch geschnitten“ beschrieb. Gleichzeitig erlebte sie auch die Natur von ihrer eindrucksvollen und unberechenbaren Seite: Während ihres Aufenthalts bekam sie eines der schlimmsten Unwetter seit rund 100 Jahren mit.
Ein besonderes Erlebnis war eine fünftägige Reise mit Freunden nach Pucón. Dort besuchte die Gruppe die „Los Ojos“, beeindruckende Wasserfälle, und unternahm außerdem einen Ausflug in Richtung der argentinischen Grenze. Dort hieß es sogar: Regen statt Sonnenschein und Schlittenfahren im Schnee. Gerade diese Mischung aus außergewöhnlichen Naturerlebnissen, gemeinsamen Unternehmungen und dem Alltag mit anderen Jugendlichen macht den besonderen Reiz eines Austauschs aus.
Nach Pucón ging es weiter nach Yungay, wo Lea vier Tage bei den Großeltern der Gastfamilie verbrachte. Auch hier stand nicht das klassische touristische Programm im Mittelpunkt. Stattdessen erhielt sie Einblicke in das Familienleben und die chilenische Gastfreundschaft, inklusive eines täglichen Rituals, das ihr offenbar besonders gut gefiel: dem Besuch der „besten Eisdiele“.
Auch sportlich hatte Leas Aufenthalt einiges zu bieten. In der zweiten Hälfte ihrer Reise ging es nach Chillán, wo ein Skiurlaub auf dem Programm stand. Für Lea gab es dabei eine Premiere: Sie lernte während des Aufenthalts Skifahren.
Die Bilder und Berichte von dieser Zeit zeigen eindrucksvoll, wie abwechslungsreich die Monate in Chile waren. Sommerferien in Chile bedeuten schließlich Winterferien auf der Südhalbkugel und so gehörten neben Sonne, Reisen und beeindruckenden Landschaften auch Schnee und Skifahren zu Leas Austausch-Erlebnissen.
Der schulische Alltag vermittelte Lea einen interessanten Einblick in das chilenische Bildungssystem. Ihre Austauschschule ist mit rund 1.600 Schülerinnen und Schülern ausgesprochen groß und umfasst Kindergarten, Grundschule sowie Sekundarstufe I und II.
Damit bekam Lea die Möglichkeit, eine Schule kennenzulernen, die sich in ihrer Größe und Organisation deutlich von den gewohnten Strukturen in Deutschland unterscheiden kann. Gerade solche Erfahrungen machen einen Schüleraustausch besonders wertvoll: Das eigene Schulleben wird plötzlich aus einer anderen Perspektive sichtbar. Was zu Hause selbstverständlich erscheint, wird im Ausland neu und interessant und manchmal entdeckt man dabei auch Gemeinsamkeiten, die verbinden.
Leas sechs Wochen in Chile waren deshalb weit mehr als eine Reise während der Sommerferien. Ein Austausch bedeutet, sich auf eine neue Umgebung einzulassen, eine andere Sprache zu hören und zu sprechen, ungewohnte Situationen zu meistern und Menschen kennenzulernen, die zunächst fremd sind und einem schon nach kurzer Zeit vertraut werden können. Es bedeutet, Gast zu sein und gleichzeitig Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Es bedeutet, Unterschiede auszuhalten, Gemeinsamkeiten zu entdecken und den eigenen Alltag aus einer neuen Perspektive zu betrachten. Und es bedeutet vor allem Begegnung: Mit einer Gastfamilie, mit Mitschülerinnen und Mitschülern, mit Freunden und Verwandten und mit einer Kultur, die man nicht aus einem Reiseführer kennenlernen kann, sondern erst dann wirklich versteht, wenn man ein Stück weit Teil von ihr wird. Leas Erfahrungen zeigen dabei sehr schön, was einen gelungenen Austausch ausmacht: Man fährt als Gast in ein anderes Land und kommt mit neuen Freundschaften, Erinnerungen und einem erweiterten Blick auf die Welt zurück.
Die Chilenen erlebte sie als ausgesprochen gastfreundlich. Essen und Trinken anzubieten, gehört für viele ganz selbstverständlich dazu, unabhängig davon, wie lange ein Gast bleibt. Diese Offenheit schafft schnell Nähe und vermittelt das Gefühl, willkommen zu sein. Genau darin sieht Lea eine der großen Stärken ihres Austauschs: Man besucht ein Land nicht nur, man lebt für eine gewisse Zeit dort. Man sitzt mit der Gastfamilie am Tisch, lernt deren Gewohnheiten kennen, erlebt gemeinsame Ausflüge, begegnet Verwandten und Freunden und stellt vielleicht fest, dass manches im Alltag anders funktioniert als zu Hause und anderes wiederum erstaunlich vertraut ist.
Leas Sommer in Chile hat gezeigt, wie viele Geschichten, Begegnungen und Erfahrungen aus einem solchen Austausch entstehen können. Vielleicht ist ihre Geschichte für die nächste Schülerin oder den nächsten Schüler unserer Schule der Anstoß, selbst zu sagen: Los geht’s, CHILE!
von Anton Merola